Durch die Schluchten von Rückersbach
- Heiko
- 24. Aug. 2023
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 12. März 2024
Kurzübersicht der Tour
Ausgangsort und Ziel:
Wanderparkplatz Hohl/Rückersbach (Standort)
Typ:
Rundwanderung
Gehzeit:
ca. 3,5 Stunden
Höhendifferenz:
↑ 290m ↓ 290m
Weglänge (gesamt):
ca. 12,3 km
Anfahrt:
PKW: Wanderparkplatz Hohl/Rückersbach (Anfahrt)
ÖPNV: Bus 26 von Mömbris nach Rückersbach (Sonntags fährt kein Bus! Fahrplan)
Schwierigkeit:
mittel
Diese Tour habe ich aus dem neuen Wanderführer "Wandern für die Seele, Wohlfühlwege im Spessart", von Kerstin Bauermees. Ein tolles Buch, das ich wärmstens empfehlen kann.
Die Tour starte ich am Wanderparkplatz Hohl/Rückersbach, der ein guter Ausgangspunkt für verschiedene Wanderungen ist.
Zu Beginn überquere ich die Staatsstraße, nach ca. 10m in Richtung Rückersbach, führt rechts ein schmaler Pfad nach unten, dies ist der Einstieg zur ersten Schlucht. Der Weg ist ohne Kennzeichnung, rechts, an einem Baum, hängt ein Schild mit der Beschriftung "Hinteres Pfahlloch".
Ordentlich bergab geht es und ein umgestürzter Baum liegt gleich zu Beginn über dem Weg, der von den letzten Unwettern sehr ausgewaschen und deshalb etwas schwerer begehbar ist. Es ist heiß heute, die Luft hier ist sehr feucht und die Mücken 🦟 freuen sich, denn ich bin da 😂. Der schmale Pfad hinunter ist toll, links plätschert fröhlich der Elmertsbach, der früher zwei historischen Staaten als Grenze diente. Auf der rechten Seite lag das Territorium des Großherzogtums Hessen, auf der linken Seite befand sich das Großherzogtum Frankfurt. Nach ca. 800m komme ich zum Naturwaldreservat Pfahlloch (Das Reservat ist Teil des Stadtwaldes Alzenau), das mich, rechts vom Pfad, für den nächsten Kilometer begleitet. Naturwaldreservate sind Wälder, die aus der wirtschaftlichen Nutzung herausgenommen wurden, die natürliche Waldentwicklung läuft hier ungestört ab. So sollen in der Zukunft wieder "Urwälder" mit starken, dicken Bäumen und viel Totholz entstehen. Diese werden beim Klimawandel auch gebraucht, denn der Wald funktioniert wie eine "Klimaanlage" und kühlt auch die Umgebung.
Am Ende des Naturwaldreservates komme ich aus dem Wald heraus, rechter Hand beginnen die Hörsteiner Weinberge, nach 400m laufe ich links wieder in den Wald, ein Pfad führt mich zum Häggraben Bach, den ich mit Hilfe eines Steines im Bachbett überquere. Auf der anderen Seite treffe ich auf einen Schotterweg, dem ich bis hinunter zur Straße, die zwischen Kleinostheim und Hörstein verläuft, folge. Auf der linken Seite kommt der Anton Günther Gedenkstein in meinen Blick. Anton Günther war ein deutscher Volksdichter, Sänger und Komponist aus dem Erzgebirge, dem viele Gedenksteine in Deutschland gewidmet wurden. Gegenüber befindet sich eine Mariengrotte, die im Jahr 1951 von einer Jugendgruppe aus Dettingen errichtet wurde. Daneben steht auch eine Schutzhütte, falls es mal regnet 😉.
Ein paar Meter über der Straße, gegenüber der Mariengrotte, befindet sich der "rote Engländer" mitten auf der Wiese. Dabei handelt es sich um eine rote Stahlskulptur eines historischen Soldaten, die hier, als Erinnerung an die Schlacht von Dettingen am 27. Juni 1743, steht. Einer Sage nach soll ein Engländer im Lindingswald herumirren und mit dem Schlüssel der vergrabenen Kriegskasse winken. Besonders im Advent soll er häufig sichtbar sein. Man glaube, dass man die vergrabene Kriegskasse haben könne, wenn man den Schlüssel nehme. Dazu habe aber noch niemand den Mut gehabt. Ich habe den Engländer leider nicht zu Gesicht bekommen, vielleicht habt ihr ja mehr Glück! 😉
Nach der Besichtigung der drei Highlights, geht es weiter, langsam kommt der Hunger und ich freue mich auf eine Einkehr. Rechts vom Gedenkstein wandere ich auf dem Mainwanderweg, gekennzeichnet mit einem M, weiter. Knapp neben der Straße verläuft der Pfad in Richtung Heißerackerhof. Als ich an diesem vorbeikomme, überlege ich kurz, hier einzukehren, da mir die Tafel mit den Tagesgerichten gut gefällt, entscheide mich aber dafür weiter zum Schluchthof zu laufen. Ab dem Hof läuft man auf der Straße, was mir nicht so gut gefällt, deshalb entschließe ich mich nach 500 Metern, abweichend zur Route im Wanderführer, wieder in den Wald zu gehen. Dort ist es heute kühler und es fahren keine Autos 😉. Kurz vor dem Schluchthof muss ich aber noch ein paar Meter auf die Straße, dann erreiche die Gaststätte. Jetzt ist erstmal Pause angesagt! Es ist einiges los, aber trotzdem ist der Service freundlich, aufmerksam und schnell. Zum Essen entscheide ich mich für, mit Steinpilzen gefüllte Gnocchi in Pesto, die sehr lecker sind. Die Getränke sind kühl, super bei dieser Hitze. Ich genieße die kurze Auszeit, bevor ich mich aufraffe, um durch die Rückersbacher Schlucht wieder aufzusteigen.
Direkt hinter dem Schluchthof nehme ich den linken Weg, und folge nun dem roten X, es beginnt unspektakulär, und verläuft auf einem breiten Wanderweg stetig, aber nicht steil bergauf. Nach ca. 1km erreiche ich einen glatten Stein, der mir hier vorher noch nie aufgefallen ist 🤔 und ich bin die Rückersbacher Schlucht schon oft gelaufen... Es handelt sich hierbei um einen Phonolithen, das Wort bedeutet soviel wie "Klangstein", aufgrund des hellen Klanges beim Aufschlagen auf das vulkanische Gestein. In einem Seitental der Schlucht befand sich die Abbaustelle "Blauer Steinbruch". Dort wurde er im 19. und bis ins 20. Jahrhundert hinein abgebaut und zu Schotter gebrochen. Es ist das einzige Vorkommen dieses Gesteins in Bayern!
Es geht weiter und die Schlucht wird immer enger, direkt neben dem Weg fließt der Rückersbach hinunter Richtung Main. Kurze Zeit später treffe ich auf das Hexen-Häuschen, es wurde einst als Unterstand für die Arbeiter des Steinbruches gebaut. Der Schluchtcharakter kommt nun öfter zu Geltung, immer wieder kommen Felsen in den Blick, ein besonders markanter ist der Hexenkopffelsen, direkt neben dem Weg. Etwas später überquere ich den Rückersbach auf einer Holzbrücke. Dort spielen gerade zwei kleine Kinder und versuchen einen Staudamm zu bauen. Ich unterhalte mich kurz mit ihrem Vater und wandere weiter. Anschließend geht es in einer scharfen Linkskehre, vorbei an dicken Buchen, dem Ende der Rückersbacher Schlucht entgegen.
Ton an! 👇
Nach der Rückersbacher Kläranlage halte ich mich links und folge jetzt dem Wegweiser der roten Schnepfe, es geht nun steil bergauf, ich passiere einen alleinstehenden Hof, auf der geteerten Straße geht es weiterhin aufwärts, der Wanderweg führt durch Weiden und Streuobstwiesen. Einmal muss ich aufpassen, da der Weg nochmals rechts auf einen Pfad abbiegt, oben komme ich an eine Rinderweide, in deren Ecke erwartet mich eine neu erbaute Schutzhütte mit Tischen und Bänken. In Richtung Rückersbach setze ich meine Wanderung fort, es ist wirklich heiß, so ohne schützendes Blätterdach. Kurz vor der Straße gehe ich links einen schmalen Pfad entlang, am Waldrand laufe ich rechts, wieder hoch zur Straße. Dort geht es dann wieder links in den Wald, dem Weg folge ich hoch zur Rückersbacher Straße, und laufe zum Ausgangspunkt zurück.
Fazit: Dies Runde ist auf alle Fälle zu empfehlen, im Spessart gibt es fast keine Schluchten, schon allein deshalb ist diese Wanderung was besonders!
Was ich auch toll an der Runde finde, man kann z. B. am Schluchthof beginnen, so läuft man erst eine Schlucht hoch und zum Schluss die andere hinunter. Für die, die lieber das Bergstück am Anfang wandern möchten 😉.
Einkehrmöglichkeiten:
Wer unten beginnen möchte, kann in Rückersbach die Gaststätte Rückersbacher Schlucht, einbauen.
Werbehinweis:
Der Blogbeitrag enthält unbezahlte Werbung.
Die Inhalte und meine persönliche Meinung, die ich in diesem Beitrag wiedergebe, wurden nicht beeinflusst.
Schöne Tour und Natur …